Ausstellung  :  Hans-Georg Filipschack Retrospektive
Donnerstag, 23. November 2017 - 13:44 Uhr

Plastische Gestaltungswege von Hans-Georg Filipschack

Eine zeitreise des Bildhauers.

Ich bin 1933 in Peine geboren und stamme aus einer Künstlerfamilie.
Nach den Anfängen mit dem Malen auf Papier ist mir eine Arbeit aus Weidenholz mit dem Titel „Eule“ in Erinnerung geblieben. Ich war ca. fünf Jahre alt. Diese erste Arbeit ist mir in meinen ganzen Leben in starker Erinnerung geblieben . Sie war mit einem Taschenmesser bearbeitet , es war auch noch Baumrinde sichtbar. Leider ist die erste „Bildhauerarbeit“von mir in den Kriegstagen verschollen.
Nach den Kriegstagen bekam ich durch meinen Onkel Fritz eine Stelle für eine Ausbildung als Bildhauer in Hildesheim vermittelt.

Das war der Anfang meiner Bildhauer-Laufbahn . Bildhauer H. Waldmann war mein Ausbilder. Nun kam ich in eine neue Welt . Eine vom Krieg zerstörte Stadt : Hildesheim . Häuser , Kirchen nebst Dom waren nur noch Fragmente. Wie sich aber herausstellte, war das die Möglichkeit, auf Grund der Auftragslage von Herrn Waldmann, in die Restauration von antiken Kunstwerken einzusteigen. Somit konnte ich mich mit den Werken alter Meister vertraut machen. Das heißt: Arbeiten in Stein, Hoz und Metall zu renovieren, z. B. den berühmten Heziloleuchter des Hildesheimer Domes. Natürlich hatten wir auch Aufträge für den öffentlichen Raum.
Ich habe durch Herrn Waldmann ein enormes Wissen an Techniken erhalten. Diese Zeit hat mich sehr geprägt, zumal ich selbständig arbeiten musste, da Herr Waldmann halbtags auch als Lehrer tätig war. Künstlerisch waren die Bildhauerarbeiten der Zeit angepasst z.B. im Stil von Barlach. Nach dreijähriger Lehre und zweijähriger Assistenz-Zeit, in der ich mein handwerkliches Rüstzeug bekommen hatte, wollte ich mich weiterbilden .

Ich habe mich bei der Werkkunstschule Hannover beworben und bin in die Bildhauer-Klasse von Prof. Scheuernstuhl gekommen. Ich hatte nun den Vorteil, dass ich schon eine handwerkliche Grundausbildung hatte und so konnte ich mich entscheidend dem künstlerischen Angebot der Schule widmen. Zusätzlich habe ich noch Innenarchitektur studiert, was mir später noch sehr zu gute kommen sollte!
Natürlich habe ich auf der Werkkunstschule vom künstlerischen Angebot reichlich Gebrauch gemacht. Der Dozent Rogge hat mir einige abstrakte Formen nahe bringen können und damit mein Interesse besonders geweckt . Ich hatte nun die Möglichkeit zum Auszuprobieren. Während ich den Werkstoff Holz immer noch als Mittel zur Gestaltung benutzte, kam ich nun immer mehr zur Metallgestaltung, weil mich das Scharfkantige reizte. Ich suchte neue Wege der Gestaltung.

Nach der Werkkunstschule habe ich geheiratet, es kamen Kinder, so musste ich meine Familie ernähren und ich konnte das nun als Innenarchitekt leisten, wobei ich immer versucht habe, den Gedanken an die Bildhauerei aufrecht zu halten und im Kleinen auch etwas zu gestalten.

Zeitreise

Nach meiner Scheidung und Umzug nach Bremen habe ich nach geraumer Zeit mit der Tätigkeit als Innenarchitekt aufgehört , um mich ganz der Bildhauerei zu widmen. Meine zweite Frau hat mir zusätzliches Selbstvertrauen gegeben, da auch sie mit der Kunst vertraut ist und Malerin ist.

Nun beginnt eine neue Schaffenszeit!

Mir ist klar geworden, ich bin Bildhauer, nach einer intensiven 8-jährigen Ausbildung (die ich bei vielen Kollegen vermisse), freue ich mich, dass ich diesen Vorteil für mich habe.

Nachdem ich einige Arbeiten in Kupfer und Holz gearbeitet habe, ist für mich das Thema menschliche Gestalt in den Vordergrund getreten, zunächst in geschlossener Form als Einzelperson, später als Gruppen, um auch den Raum einzubeziehen, oft in Holz.

Auch zeitkritische Arbeiten, oft in der Form der Collage, weisen auch tiefe Beziehungen zur Vergangenheit auf. Sie entstehen einmal als „geistige Vision“ oder als Anlass zum aktuellen Geschehen. Wichtig ist das Material für die Gestaltung, es ist oft Fundmaterial mit historischen Wert.

Dann kam meine „Bronzezeit“, ich stellte nun lebensgroße Menschenskulpturen da, die im Aufbau auch architektonische Richtungen beinhalten. Auch weniger große Arbeiten entstanden wie z.B. Kult-Pferde, Schlangenwindungen, Torsi oder organische Aussagen. Auch Reliefs sind ein Thema. Die Bronzearbeiten sind natürlich für Außen – und Innenbereiche geeignet, im öffentlichen Raum z.B. als Gedenkstätten. Natürlich habe ich auch weiter Holzarbeiten hergestellt, um nicht „eingleisig“ zu arbeiten.

Nach ca. vier Jahren kam für mich ein neues Denken: Ich wollte nun in Keramik arbeiten. In meiner vorherigen Schaffenszeit kam die Keramik kaum zur Ausführung Ich habe nun in zwei Jahren für eine Sonderausstellung mit den Bildern meiner Frau, in unserer Galerie 2f.kunst in Worpswede, gearbeitet. Es war eine schöne interessante Erfahrung, wie mit dem Material Ton figurale Arbeiten entstehen können.

Einbezogen in meine bildhauerische Zeitreise sind natürlich viele Ausstellungen im In – und Ausland, die viel Freude und wertvolle Erfahrung gebracht haben und immer noch bringen.

Meine Frau und ich haben beide unser Atelier in Lilienthal, wo sich auch unser Skulpturenpark befindet. Hier sind Keramiken und Bronzearbeiten in und mit der Natur zu betrachten.

Meine bildhauerische Zeitreise ist noch nicht zu Ende ..........

Tanzbilder:

Ich interessiere mich für Tanz.

Ich habe oft im Bremer Theater die Tanztheater-Vorstellungen der bekannten Choreographen/innen besucht z.B. von Urs Dietrich und Frau Linke.
Einige Zeit lang waren am Sonnabend auf ARTE im Fernsehen verschiedene Tanztheaterchoreographien zu sehen, die mich faszinierten.
Ich interessiere mich hauptsächlich für modernes Tanztheater, weil es für mich ausdrucksfähiger ist als das natürlich sehr schöne klassische Ballett, das aber oft die Darstellung einer Erzählung ist mit Hilfe eines opulenten Bühnenbildes und der reizvollen Tanzkleidung.

Im Tanztheater spielt der menschliche Körper an sich eine Rolle, seelische Zustände und Emotionen werden durch körperliche Aktionen dargestellt, durch dynamische Gruppen-Szenen findet eine Verdichtung und Intensivierung seelischer Zustände statt.
Ebenso eindrucksvoll sind natürlich Solodarstellungen.
Mein Bild „Dance Theatre“ zeigt eine lebendige dynamische Tanzszene innerhalb eines Bühnenraumes. Die Figuren lösen sich fast in einem Bewegungswirbel auf, ein Bild voller Energie in interessanten Farbtönen, die Heiterkeit und Lebensfeude ausstrahlen.

„Ballett klassisch“, „Russisches Ballett“, „Romantisches Ballett“, “Dance Theatre“ sind eher Darstellungen von klassischem Theater mit Spitzentanz und Ballettröckchen, die dort natürlich eindrucksvoll wirken. “Modern Dance 1und 2“ sind dynamische Tanzdarstellungen.

„Pirouette“ zeigt den Augenblick der Konzentration des Tänzers kurz vor Beginn der „Pirouette“ vor einem rot beleuchtetem Bühnenraum, auch die Paar-Szene in „Tanztheater“ spielt vor einem roten Bühnenbild. „Solo“ zeigt den Augenblick federleichten Schwebens einer einzelnen Tänzerin.

Musik, Bühnenbild und Beleuchtung spielen immer eine wichtige Rolle.
Eine starke Körperbeherrschung der Tänzer durch eine strenge Schulung ist Voraussetzung für klassisches Ballett und Tanztheater. Es ist wahrscheinlich die disziplinierteste Kunstart überhaupt, und doch kann Tanz wie losgelöst von aller irdischen Schwere wirken.

Tanz ist Lebensfreude!

Meine Malweise ist realitätsnäher geworden , weicher und bewegter gegenüber meiner früher eher expressiv – abstrakten Arbeitsweise.

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